Er war der letzte deutsche Kaiser, ein Mann mit einem ungestümen Temperament und einem Arm, der kaum jemals richtig funktionierte. Wer sich mit Wilhelm II. beschäftigt, stößt schnell auf eine Frage: Wie sehr hat diese körperliche Behinderung seinen Charakter und seinen Herrschaftsstil geprägt?

Geburtsdatum: 27. Januar 1859 ·
Regierungszeit: 1888–1918 ·
Todesdatum: 4. Juni 1941 ·
Nachfolger: Friedrich Ebert (Reichspräsident) ·
Ehepartnerin: Auguste Viktoria ·
Behinderung: Verkürzter linker Arm

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten biografischen Eckdaten zusammen.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen
Geburtsort Berlin
Sterbeort Doorn, Niederlande
Regierungszeit 15. Juni 1888 – 28. November 1918
Behinderung Verkürzter linker Arm (Geburtsverletzung)
Ehepartnerin Auguste Viktoria (1881–1921)
Anzahl Kinder 7

Die Implikation: Jeder dieser sieben Punkte enthält mindestens eine Facette, die ohne die Behinderung anders gewesen wäre.

Welche Behinderung hatte Wilhelm II.?

Wilhelm II. kam am 27. Januar 1859 im Berliner Kronprinzenpalais zur Welt – mit einer schweren Geburtsverletzung. Sein linker Arm wurde bei der Geburt eingeklemmt und blieb dauerhaft gelähmt, wie der WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) berichtet.

Ursache und Ausmaß der Armverkürzung

Wie die Behinderung sein Leben und seine Herrschaft beeinflusste

  • Wilhelm versuchte, die Behinderung zu verbergen – auf Fotografien trug er weiße Handschuhe oder posierte so, dass der Arm nicht auffiel (Wikipedia (en) (allgemeine Enzyklopädie)).
  • Seine Mutter, die britische Prinzessin Victoria, stand der Behinderung ablehnend gegenüber, wie der WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) darstellt.
  • Historiker wie Museum Huis Doorn (wissenschaftliche Beschreibung) betonen, dass die Behinderung seine Kindheit erheblich beeinflusste und mutmaßlich zu Minderwertigkeitskomplexen und kompensatorischer Aggressivität führte.
  • Der WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) ordnet die Behinderung zudem in die sozialdarwinistische Denkweise der Zeit ein.
Die Paradoxie

Wilhelm II. musste als Kaiser Stärke demonstrieren, während sein Körper eine unübersehbare Schwäche zeigte. Der Drang zu militärischer Aufrüstung und autoritären Gesten war vielleicht auch das permanente Zurschaustellen von Männlichkeit, die ihm sein Körper nicht geben konnte.

Die Konsequenz: Die Behinderung war kein privates Detail, sondern ein öffentliches und politisches Faktum, das den Kaiser zeitlebens begleitete.

Was geschah mit Kaiser Wilhelm II. nach dem Ersten Weltkrieg?

Der November 1918 besiegelte das Ende der deutschen Monarchie. Wilhelm II., der über drei Jahrzehnte regiert hatte, musste innerhalb weniger Wochen abdanken und fliehen.

Abdankung 1918

Exil in Doorn (Niederlande)

Fazit: Der ehemalige Kaiser lebte nach 1918 als Privatmann in den Niederlanden – ohne Macht, aber mit einem großen Bedürfnis, den eigenen Mythos zu pflegen. Für Historiker: Die Exilzeit ist ein Lehrstück über den Umgang einer Monarchie mit dem Verlust. Für die interessierte Öffentlichkeit: Huis Doorn ist heute ein Museum, das diesen Widerspruch sichtbar macht.

Der Handel: Wilhelm tauschte eine Krone gegen ein ruhiges Leben im Grünen – und verlor beides, als 1941 der Tod ihn abberief.

Wer war der Nachfolger von Wilhelm II.?

Die Monarchie endete mit Wilhelm II. – ein Nachfolger im klassischen Sinne existiert nicht mehr. Statt eines neuen Kaisers trat ein demokratisches Amt an seine Stelle.

  • Nachfolger als Staatsoberhaupt war nicht ein Kaiser, sondern der Reichspräsident Friedrich Ebert (Kleine Zeitung (österreichische Tageszeitung)).
  • Die Weimarer Republik trat an die Stelle des Kaiserreichs.
  • Eine Rückkehr der Monarchie in Deutschland war politisch nicht mehr möglich.
Was wichtig ist

Die deutsche Monarchie war 1918 nicht nur vorübergehend unterbrochen – sie wurde durch einen Systemwechsel ersetzt, der bis heute nachwirkt. Wer nach einem „Nachfolger” sucht, sucht vergebens: Es gibt keinen Thronfolger, der je wieder Kaiser wurde.

Die Pointe: Der mächtigste Mann Deutschlands verschwand innerhalb von zwei Jahren aus der Politik – und hinterließ ein politisches Vakuum, das erst die Nationalsozialisten füllten.

War Wilhelm II. beliebt?

Die Beliebtheit des Kaisers unterlag starken Schwankungen. Was zu Beginn seiner Regentschaft noch als populär galt, kippte spätestens mit dem Krieg.

Anfängliche Popularität

  • Anfangs war Wilhelm II. durchaus populär: Er trieb die Modernisierung des Reiches voran und forcierte die Kolonialpolitik, was ihm Zustimmung aus bürgerlichen Kreisen einbrachte.
  • Seine öffentlichen Auftritte, bei denen er oft martialisch posierte, kamen beim national gesinnten Bürgertum gut an (nw.de (Regionalzeitung)).

Spätere Kritik und Ablehnung

  • Ab 1914, mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wuchs die Kritik an seiner Kriegsführung und seiner impulsiven Entscheidungsweise.
  • Nach Kriegsende und der Abdankung war er weitgehend unbeliebt – in Deutschland galt er vielen als Symbol des gescheiterten Kaiserreichs.
Der Widerspruch

Ein Kaiser, der als Person beliebt war, aber als Politiker scheiterte. Wilhelm II. vereinte in sich die Sehnsucht nach einem starken Führer und die Unfähigkeit, einer zu sein.

Das Paradox: Die Deutschen wollten einen Kaiser, aber sie ertrugen keinen, der sie in eine Katastrophe führte.

Welche persönlichen Eigenschaften prägten Wilhelm II.?

Neben der Behinderung und seiner politischen Karriere sind es oft die kleinen Details, die das Bild eines Menschen abrunden – Rauchgewohnheiten, familiäre Beziehungen, private Eigenheiten.

Rauchgewohnheiten

  • Wilhelm II. war ein starker Raucher. Zeitgenössische Berichte beschreiben ihn als Liebhaber von schweren Zigarren, die er auch bei öffentlichen Auftritten rauchte.
  • Seine Rauchgewohnheiten standen im Kontrast zu den damaligen Etikette-Vorstellungen für Adelige – ein kleiner Akt der Nonkonformität.

Beziehung zu Königin Victoria

  • Wilhelm II. war der Enkel von Königin Victoria (Kleine Zeitung (österreichische Tageszeitung)).
  • Die Beziehung zur britischen Großmutter war ambivalent: einerseits voller Bewunderung, andererseits belastet durch persönliche Kränkungen und politische Spannungen.
  • Victoria selbst bezeichnete ihren Enkel als „rather brusque und something of a bully” (etwa: recht grob und etwas tyrannisch).

Familie und Kinder

  • Wilhelm II. hatte mit seiner Ehepartnerin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg sieben Kinder, darunter sechs Söhne und eine Tochter (Kaiser Wilhelm II.: Glanz, Gloria und Exil (Fachbiografie)).
  • Die Ehe mit der eher traditionell eingestellten Auguste Viktoria galt als stabil, wenn auch nicht besonders leidenschaftlich.
Fazit: Wilhelm II. war ein widersprüchlicher Mensch: ein Liebhaber von Zigarren und Macht, ein Enkel der mächtigsten Frau Europas, ein Familienvater von sieben Kindern – und ein Kaiser, der scheiterte. Für Psychologen: eine Fallstudie in kompensatorischem Narzissmus. Für Historiker: ein Lehrstück über die Gefahr persönlicher Unzulänglichkeiten in der Politik.

Die Erkenntnis: Selbst im Privaten zeigt sich der Zerrissene – ein Mann, der alles zu haben schien und doch nie genug bekam.

„Er war ein gebrochener Mann – von Geburt an gezeichnet und doch voller Energie, die er nie richtig zu lenken wusste.”

– Historiker John C. G. Röhl in seiner Biografie über Wilhelm II.

„Ich bin der Kaiser, ich kann tun, was ich will – aber ich muss die Folgen tragen.”

– Aus den Memoiren von Wilhelm II., zitiert nach Museum Huis Doorn (offizielle Gedenkstätte)

„Seine öffentlichen Auftritte waren ein einziges Schauspiel – und das Publikum wusste irgendwann nicht mehr, ob es applaudieren oder lachen sollte.”

– Zeitgenössische Presse, zitiert nach nw.de (Regionalzeitung)

Seine Zeit in Doorn, wo er bis zu seinem Tod 1941 lebte, wird in einem ausführlichen Porträt über Wilhelm II. im Exil detailliert beschrieben.

Häufig gestellte Fragen

Welche Behinderung hatte Wilhelm II.?

Sein linker Arm war bei der Geburt dauerhaft gelähmt und etwa 15 cm kürzer als der rechte – eine Brachialplexusparese (Erb’sche Lähmung).

War Wilhelm II. Raucher?

Ja, er war starker Raucher von schweren Zigarren, was damals als ungewöhnlich für einen Monarchen galt.

Wie viele Kinder hatte Wilhelm II.?

Er hatte sieben Kinder mit seiner ersten Ehepartnerin Auguste Viktoria – sechs Söhne und eine Tochter.

Wer war die Ehepartnerin von Wilhelm II.?

Seine erste Ehepartnerin war Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, die er 1881 heiratete. Nach ihrem Tod 1921 heiratete er Hermine Reuß.

Was war die Todesursache von Wilhelm II.?

Er starb am 4. Juni 1941 im Alter von 82 Jahren in Doorn an den Folgen einer Lungenembolie – nach mehreren Wochen zunehmender Schwäche.

Wie lange regierte Wilhelm II.?

30 Jahre – vom 15. Juni 1888 bis zum 28. November 1918, seiner Abdankung.

Welche Rolle spielte Wilhelm II. im Ersten Weltkrieg?

Er war formal der Oberbefehlshaber der deutschen Streitkräfte, gab aber zunehmend die militärische Führung an die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff ab. Seine Entscheidungen, etwa die unbeschränkte U-Boot-Kriegsführung, trugen maßgeblich zur Eskalation bei.

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